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PolitikStadtteile
Home›Politik›Düsseldorf Paulsmühle: Anwohner kritisieren Entwicklungspläne der Stadt

Düsseldorf Paulsmühle: Anwohner kritisieren Entwicklungspläne der Stadt

Von Ute Neubauer
30. Mai 2018
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Die Entwurfszeichnung für das Berufskolleg mit anschließender Wohnbebauung, Grafik: IDR

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ befürchten, dass ihr Stadtteil durch die Entwicklungspläne der Stadt leiden wird. Denn der Bau von zahlreichen neuen Wohneinheiten steht bevor, doch ein ordentliches Verkehrskonzept seitens der Stadt ist nicht in Sicht. Ab August geht das Berufskolleg an der Paulsmühlenstraße in Betrieb. Die über 1500 Schüler und Lehrer werden für zusätzliches Verkehrsaufkommen sorgen. Die Verwaltung hat keine Lösung für die Straßen im Viertel. Sie will die Entwicklung abwarten. Das reicht den Bürgern nicht.

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Im Saal des Bunkers trafen sich die Paulsmühler auf Einladung der Initiative "Lebenswerte Paulsmühle"

Es wurde ein langer Abend im Bunker an der Paulsmühlenstraße, in dem sich am Dienstag (29.5.) rund 150 Paulsmühler über die neuesten Entwicklungen in ihrem Viertel informieren wollten. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“, die versucht, die Interessen der Bewohner zu bündeln und gegenüber der Stadt zu vertreten. Viele leiden derzeit unter einer chaotischen Bautätigkeit, Belastung durch LkW und die scheinbar endlose Baustelle von Netzagentur und Kanalbau vor ihrer Haustür. Die meisten Straßen in der Paulsmühle sind immer noch merklich geschädigt, aber Informationen über einen neuen Straßenbelag gab es auch am Dienstag nicht.

Auf dem Podium stellten sich neben den Lokalpolitikern der CDU: Andreas Hartnigk und Karl-Heinz Graf, der SPD: Udo Skalnik und Oliver Schreiber, den Grünen: Andreas Schardt und Richard F Wagner, die Vertreter der Verwaltung: Nils Dolle Bezirksverwaltungsstellenleiter, Kai Fischer aus dem Büro des Oberbürgermeisters und zuständig für Stadtplanung, und Dirk Bommes vom Dezernat Planung und Verkehr, den Fragen.

Neue Wohnungen

Wie viele neue Wohnungen es in Benrath jenseits der Bahngleise neu geben wird, steht noch nicht genau fest. Einzig das Mühlenviertel auf der BEA-Brache ist bereits in der Realisierung, 364 Wohneinheiten werden gebaut. Das Albrecht-Dürer-Berufskolleg ist nahezu fertig, die ersten Schüler werden dort nach den Sommerferien unterrichtet. Für die Brache zwischen Schule und Telleringstraße muss der Bebauungsplan verändert werden, um Wohnbebauung zu ermöglichen. Die IDR wirbt auf ihrer Homepage mit einem Wohnpark von 570 Wohneinheiten, die Lokalpolitiker drängen auf Mäßigung und sprechen von 320 Einheiten. Wie Manfred Kornfeld, kaufmännischer Vorstand der IDR, gegenüber report-D erklärte, warte man die politischen Entscheidungen ab und plane dann den Verkauf des Geländes an einen Investor. Nach einem Architektenwettbewerb soll das ehemalige Outokumpu-Gelände an der Hildener Straße mit über 700 Wohnungen erschlossen werden.

In Summe werden über 1500 neue Wohnungen entstehen und damit die Bevölkerung in Benrath-Ost um rund 3000 Menschen steigen. Plus 1500 Pendler aus dem Berufskolleg.

Dass diese Entwicklung zu einer Aufwertung der Paulsmühle führen kann, in dem Geschäfte, wie Apotheke, Metzger, Gastronomie und jetzt sogar der Geldautomat der Stadtsparkasse nach und nach verschwunden sind, ist die Hoffnung der Menschen.

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Von der Telleringstraße aus wird die Zuführung zum Berufskolleg, zur Sporthalle und zum Parkhaus erfolgen, Foto: Stadt Düsseldorf, David Young

Rollender Verkehr

Doch sie machen sich sorgen um den zu erwartenden Verkehr. Denn durch die Schule und die neuen Bewohner werden zahlreiche Fahrzeuge zusätzlich in den Straßen fahren. Die Verwaltung hatte mit der Bezirksvertretung verschiedene Alternativen mit Einbahnstraßenregelungen diskutiert, aber letztlich konnte sich kein Entwurf durchsetzen. Jede Lösung für eine Straße hätte eine Verschlechterung der Nachbarstraße bedeutet und das wollte niemand. Nun will man an der bestehenden Verkehrsführung festhalten und abwarten. Lediglich LED-Geschwindigkeitsanzeigen mit Smileys sollen im Straßenraum eingesetzt werden.

Zwei Anpassungen außerhalb der Paulsmühle sind in Planung: Die Zu-/Abfahrt ins Viertel über die Forststraße – Kleinstraße sollen angepasst werden und an der Hildener Straße soll auf Höhe des Bucholzer Buschs ein Kreisverkehr entstehen. Beide Maßnahmen werden aber den Verkehr nicht reduzieren.

Die Bezirksvertretung hat die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob die Deklarierung einiger Straßen als „Fahrradstraße“ zu einer Entlastung führen kann. Denn dann dürfte nur ein Geschwindigkeit von 30 km/h gefahren werden, ggf. weniger, um Radfahrer nicht zu gefährden.

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In Düsseldorf gibt es bereits zwei Fahrradstraßen, in der Paulsmühle könnte damit ein Politprojekt zur fahrradfreundlichen Stadt gestartet werden

Ruhender Verkehr

Sorgenvoll betrachten die Paulsmühler die Parkplatzsituation. Die Neubaukomplexe erhalten zwar Tiefgaragen, doch ob diese ausreichend Platz bieten, bezweifeln die Besucher im Bunker. 249 Parkplätze für über 1500 tägliche Schüler und Lehrer im Berufskolleg halten sie für nicht ausreichend. Die Planer vom Schulverwaltungsamt halten dem entgegen, man habe sich an den Stellplatzschlüssel der Landesbauordnung gehalten.

CDU kündigt Unterstützung an

Unterstützung für die Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ signalisiert die CDU-Ratsfraktion. Ratsherr Andreas Hartnigk und Bezirksbürgermeister Dr. Karl-Heinz Graf warnen vor einem Verkehrskollaps in Benrath durch den Zuzug der Menschen und dem täglichen Nutzerstrom zum neuen Albrecht-Dürer-Berufskolleg. Sie fordern die Zahl der vorgesehenen Wohneinheiten insgesamt zu überdenken und maßvoll zu halten: „1.700 neue Wohnungen nach den bisherigen Planungen bedeuten quasi eine Verdoppelung der Einwohner. Hinzu kommen die Verkehrsbelastungen durch die Nutzer des neuen Albrecht-Dürer-Berufskollegs.“ Diese Entwicklung überlaste den Stadtteil, betont Hartnigk. „Straßen wie etwa Telleringstraße, Paulsmühlenstraße, Am Wald und Kleinstraße sind einem hohen Verkehrsaufkommen nicht gewachsen.“ Das politische Ziel müsse sein, die Lebens- und Versorgungsqualität für die bisherigen und auch die neuen Anwohner zu wahren. Karl-Heinz Graf will ein wachsames Auge auf die Planungen der Stadt haben. Nach heftiger Kritik hat die Stadt zugesagt, im Quartier ‚Neue Paulsmühle‘ nur 320 statt der von der IDR vorgesehenen Zahl von 570 Wohneinheiten zuzulassen.

Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ bleibt ebenfalls am Ball und lädt interessierte Bürger zur Mitarbeit ein. Die Kontaktaufnahme ist per Mail über lebenswerte.paulsmuehle@gmx.de möglich.

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