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KulturKunstkritik
Home›Kultur›Große Kunstausstellung 2018: Die Freude am Unbekannten

Große Kunstausstellung 2018: Die Freude am Unbekannten

Von Birgit Koelgen
9. Februar 2018
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Bilder, Objekte, Skulpturen: Blick in einen Saal der „Großen“, unter anderem mit Werken von Ulrike Kessl (hinten an der Wand) und Franz Schmidt (Zitronenform vorne)

Da soll noch mal einer behaupten, Kunstsammeln sei nur ein hochgestochenes Hobby für die Herrschaften der High Society. Bei der „Großen“ Düsseldorfer Ausstellung im Ehrenhof gibt es wieder das kleine Format für niedrige dreistellige Summen. Ein Stillleben fürs Esszimmer? Ein tolles Kuba-Foto? Eine witzige Malerei? Maßstab ist nicht der Spekulationswert, sondern die Freude an der eigenen Sammlung. Aber die Schau am Ehrenhof ist nicht nur ein Kunstmarkt, sondern auch eine ambitionierte Inszenierung.

D_Grosse_Holz_08022018

Durchblick: Wachsbilder von Kunstpreisträgerin Sybille Pattscheck (vorn), Holzskulptur von Eva Weinert

160 Mitglieder des traditionsreichen Düsseldorfer Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen zeigen aktuelle Bilder, Skulpturen, Installationen – was immer ihnen gefällt und von der Jury abgesegnet wird. Anders als bei museal kuratierten Projekten ist die frische Mischung der Stile und Techniken gewollt. Der Düsseldorfer Akademie-Absolvent Rainer Clemens fühlt sich der klassischen Malerei verpflichtet und präsentiert Fuchs und Hase mit Goldrand. Die diesjährige Kunstpreisträgerin Sybille Pattscheck, eine reife Künstlerin von 59 Jahren, zaubert zarte, mit Wachs überzogene Farbfelder. Es macht einfach Spaß, durch die Säle zu gehen und das Überraschende im Unbekannten zu entdecken.

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Das ist Kunst und kann nicht weg: Kiste mit geheimnisvollem Inhalt von Christiane Rasch an Bildern der Graubner-Schülerin Katarzyna Cudnik

Die Schönheit der ertrunkenen Fliege

Fotografieren an sich ist heutzutage keine Kunst mehr. Es geht, wie ein Saal im Erdgeschoss zeigt, nicht um Technik, sondern um Reduktion, Konzentration, Konzept. Myriam Hofer fotografiert „Eine halb versunkene Fliege in Katzenmilch“ – und schafft damit ein modernes Memento Mori. Anja Bohnhof aus Dortmund zeigt vereinzelte indische Gestalten an einem überirdisch gleißenden Strand beim „Tracking Gandhi-Salzmarsch“, der Niederrheiner Ralf Kanowski fand auf einem „Acker bei Kevelaer“ sein Motiv: eine Traktorspur im Matsch unter diesigem Himmel.

Im ersten Stock des Kunstpalasts staunt das Publikum über ein paar spektakuläre Erscheinungen. Eine Riesenkette aus gebrannten Tonstäben, von Eva Weinerts auf Stahlseil aufgezogen, hängt unter einem gewaltigen, mit Tinte markierten Fadenobjekt, das der japanische Autodidakt Shinpei Takeda konstruiert hat – ein Fischernetz der Träume und Vorstellungen. Für das mit 35 000 Euro teuerste Exponat sorgte Clemens Botho Goldbach, der aus Bauholz zwei vier Meter hohe Säulenfenster baute. „Euruin“ ist der ironische Titel – denn genau solche klassizistischen Bauteile sind auf dem 50-Euro-Schein abgebildet.

D_Grosse_Pattschek_08022018

Der 50-Euro-Schein inspirierte Clemens Botho Goldbach zu der Holzskulptur „Euruin“

Helga mit dem Staubsauger

Kunst darf durchaus witzig sein – das sieht man auch an Kirsten Krügers „Passantin“, einem abstrakten Objekt mit Schlangenledertasche, oder an den schicken „Housewifes“ aus der Werbung der 1950er- oder 60er-Jahre, die Kristina Kanders in auserwählten Teilen auf Vintage-Tapete gemalt hat: „Lucy with Poodle Mop“ und „Helga with Hoover“. Gewiss hat sich die Kölnerin dabei auch von einigen Tapetenarbeiten Sigmar Polkes inspirieren lassen, während Martina Brunoris abstrakte Komposition irgendwie an Serge Poliakoff erinnert. Nun, es ist ja keine Schande, große Vorbilder zu haben.

Wer sucht, der findet sein Lieblingsding: eine japanisch bewegte Mondnacht („Kagami“) von Birgit Jensen vielleicht oder die Scherenschnitt-Collagen von Klaus Richter („Clownköpfe“), den im Schwarzen schwebenden Planeten „Kallisto“ von Björn Dressler oder den neuen Pointillismus von Hermann-Josef Kuhna („playing yellow“). Bei einer Sammelausstellung wie dieser bleiben immer Dinge unerwähnt, die es verdienen, erwähnt zu werden. Schade, dass so bald alles vorbei ist. Zum Glück wird die Ausstellung ab dem nächsten Jahr mehr Zeit haben – und sie wird in die Sommerzeit verschoben. Darauf freuen wir uns schon.

D_Grosse_Wand_kleine_08022018

„Das kleine Format“ zu günstigen Preisen lockt auch die jungen Sammler.

Wann und wo?

„Die Große 2018“ mit Arbeiten von 160 Künstlerinnen und Künstlern vorwiegend aus Düsseldorf und benachbarten Regionen ist noch bis zum Sonntag, 18. Februar, im Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, zu sehen. Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: 8 Euro. Katalog: 20 Euro. Die meisten Arbeiten können erworben werden. „Das kleine Format“ gibt es in der Preisklasse bis 400 Euro. www.diegrosse.de

D_Grosse_draussen_08022018

Im nächsten Jahr wird die „Große“ in den Sommer verschoben – und darf auch draußen spielen

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