Inklusion im Düsseldorfer Karneval

Menschen mit Handicap feiern ebenso gerne Karneval, wie alle anderen Jecken. Doch die Hürde zum gemeinsamen Feiern ist für sie größer, da Behinderungen auch oft Einschränkungen bedeuten.
KG Gemeinsam Jeck

Das Prinzenpaar der KG Gemeinsam Jeck, Prinz Christian I und Venetia Verena haben die ganze Session sehr genossen, da konnte auch der Regen an Rosenmontag die Begeisterung nicht trüben
Bereits vor 11 Jahren hat sich in Düsseldorf die KG Gemeinsam Jeck gegründet. Im Vereinsregister sind sie mit der närrischen Nummer 11111 eingetragen. Ziel des Vereins ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, speziell am rheinischen Brauchtum Karneval, für und mit Menschen mit Behinderung in Düsseldorf zu beleben. Niemand soll wegen seiner Behinderung ausgeschlossen werden. Als Mitglied im Comitee Düsseldorf Carneval (CC) nehmen sie schon seit Jahren mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug teil. Doch die klassischen Rosenmontagswagen haben einen Nachtei: Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder Rollstuhlfahrer sind sie unerreichbar.

Premiere: Der zweite Wagen der KG Gemeinsam Jeck hat auch Plätze für Rollstühle – ein absolutes Novum
Zu ihren Jubiläum hat sich der Verein deshalb einen großen Wunsch erfüllt. Der zweite neue Wagen der Gesellschaft ist mit einer Rampe ausgestattet und hat feste Plätze für Rollstuhlfahrer und eingeschränkte Menschen. Die Premiere an Rosenmontag verlief perfekt, denn dank der Konstruktion blieb es im Wagen auch halbwegs trocken. Ermöglicht wurde der Bau des Wagens durch die finanzielle Unterstützung der Stadtsparkasse Düsseldorf, dem Club 111 des CC, der Aktion Mensch, dem Inklusionsscheck NRW und Fördermittel der Stadt Düsseldorf. Der Wagen wurde in Eigenleistung durch Ehrenamtliche gebaut.

Zum ersten Mal an rosenmontag dabei war eine Gruppe der Graf-Recke-Stiftung
LVR-Provinzial Behinderten Tribüne

Der LVR und die Provinzial richteten die Behinderten Tribüne am Graf Adolf Platz auch in diesem Jahr aus
Ein weiteres tolles Beispiel für gelebte Inklusion ist die überdachte Behinderten-Tribüne am Graf-Adolf-Platz. Der LVR und die Provinzial-Versicherung finanzieren das Projekt. Die Tribüne bietet Platz für 20 Menschen im Rollstuhl sowie rund 130 Steh- und Sitzplätze für Menschen mit anderen Beeinträchtigungen und Begleitpersonen.

Sandra Herstix gab ihr Debüt als Co-Kommentatorin von Frank Breuers bei der Blinden-Reportage auf der Behinderten-Tribüne
Für die sehbehinderten Gäste beschrieben Blindenreporter Frank Breuers von Fortuna Düsseldorf mit Co-Moderatorin Sandra Herstix das Zuggeschehen. Die technische Anlage für die Blindenreportage stellte Fortuna Düsseldorf kostenfrei zur Verfügung.

Blindenreporter Frank Breuers im Interview mit dem Vorstand der KG Jecke Pänz
Bis zum Eintreffen des Zuges auf dem Graf-Adolf-Platz, sorgte erneut die “Die WohnzimmerBand Düsseldorf” mit Live-Musik für Stimmung. Mit ihrem Auftritt unterstützt die Band die Inklusion im Karneval und verzichtet auf ein Honorar.

Es ist schon Tradition, dass die Wohnzimmerband Düsseldorf an der Behinderten Tribüne mit ihrer Musik die Zeit bis zum Eintreffen des Zuges überbrückt
Kommentar: Zwei schöne Beispiele – aber wo bleibt das Engagement des CC?
Die KG Gemeinsam Jeck und dass die Behinderten-Tribüne ermöglicht wird, sind sehr gute Beispiele für Inklusion. Hier müssen auch noch die Unterrather Funken erwähnt werden, die eingeschränkten Menschen die Teilnahme am Zug in einem Linienbus ermöglichen.
Aber da ist doch mehr möglich! Wer die Altweiber-Übertragung aus Köln im Fernsehen gesehen hat, stellte fest, dass dort ein Gebärdendolmetscher auf der Bühne stand. In Düsseldorf ist das CC offenbar noch nicht auf die Idee gekommen.
Vielen Rollstuhlfahrer*innen würde es bereits reichen, wenn sie beispielsweise auf der Kö einen für sie reservierten Bereich hätten, aus dem heraus sie den Zug verfolgen könnten, ohne dass andere Menschen vor ihnen stehen. Aber offenbar ist das Gebiet zu lukrativ für Stände und Sponsoren, so dass kein Platz für Inklusion bleibt.
Auch bei Veranstaltungen des CC gibt es keine Behinderten-Plätze – schon gar nicht im vorderen Bereich – da sitzen in der Regel die VIP’s.
Das CC hat sich auf die Fahnen geschrieben Karneval für alle zu machen. Der Nachwuchs steht dabei ganz vorne – zu Recht. Auch die kleineren Vereine, neu auch die Senioren. Aber Inklusion scheint keine Lobby zu haben – Schade eigentlich.