Düsseldorf: Frauenberatungsstelle und SKFM machen auf den Internationalen Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Sexarbeiter*innen aufmerksam

Der 17. Dezember ist der Internationale Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Sexarbeiter*innen. An diesem Tag soll gezielt auf die Gewalt, die Stigmatisierung und die mangelnde Anerkennung der Sexarbeiter*innen aufmerksam gemacht werden, um Tabus zu brechen und Solidarität zu zeigen. Die frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. (Fachstelle Frauenhandel und Zwangsprostitution) und die Beratungsstelle Rahab des SKFM Düsseldorf e.V. (Beratung für Menschen in der Prostitution) fordern besseren Schutz und mehr Sensibilisierung in der Gesellschaft.
Sie zeigen an einem Beispiel auf, wie brutal vorgegangen wird. Am 7. November 2025 wurde vor dem Landgericht Düsseldorf das Urteil in einem von zwei Verfahren gegen einen Jugendlichen und einen jungen Erwachsenen verkündet, die mehrere gewaltsame Überfälle auf Sexarbeiterinnen begangen hatten. Die Angeklagten wurden nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Kriminalpolizei hat nach umfangreichen Ermittlungen eine Bande von männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden festgenommen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, unter anderem Prostituierte zu berauben. Dabei schreckten die jungen Männer auch vor massiver Gewalt nicht zurück. Die Kripo arbeitete dabei eng mit der frauenberatungsstelle Düsseldorf und Rahab zusammen, so dass die Opferunterstützung und Prävention schnell gewährleistet werden konnte.
Die beteiligten Beratungsstellen nehmen die Verfahren und insbesondere die Urteilsverkündung zum Anlass, auf die weiterhin prekäre und gefährliche Situation vieler Sexarbeiter*innen hinzuweisen. „Die Überfälle richteten sich gezielt gegen Frauen in der Prostitution. Sie sind auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Haltung, in der Geringschätzung, Stigmatisierung und Diskriminierung von Sexarbeiter*innen Gewalt begünstigen“, erklären die Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle Rahab. “Frauen in der Prostitution gehören zu einer besonders gefährdeten Gruppe. Sie sind häufig von vielfältigen Gewaltformen betroffen – darunter sexualisierte und körperliche Gewalt, Zwangsprostitution, Ausbeutung sowie Diskriminierung. Die kaum vorstellbare Gewalt und das daraus resultierende Leid, welches die Betroffenen erfahren haben, erschüttern uns zutiefst. Diese Frauen benötigen umfassende und vielschichtige Unterstützung”, so die frauenberatungsstelle Düsseldorf.
Die Beraterinnen betonen die Bedeutung, die Sicherheit und Würde von Menschen in der Prostitution/Sexarbeit stärker in den Blick zu nehmen. „Wir begrüßen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen wurden, sehen aber zugleich, dass sich am strukturellen Risiko für Sexarbeiter*innen kaum etwas geändert hat. Es braucht eine gesellschaftliche Wandlung hin zur konsequenten Entstigmatisierung von Sexarbeiter*innen“, so das gemeinsame Fazit. Die Polizei schließt sich der Forderung nach besserem Schutz der Zielgruppe an.