Düsseldorf/Moskau: Tilly in Russland zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

Aktualisiert 2.4., 17.20 Uhr, mit der Stellungnahme des CC | „Die machen sich selbst zum Narren mit diesem Urteil“, kommentierte der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly, als der Richter in Moskau am Donnerstag (2.4.) das Strafmaß verkündet hatte. Acht Jahre und sechs Monate Haft hat Jacques Tilly zu erwarten, falls er in Zukunft versuchen sollte, nach Russland einzureisen. Was Tilly von dem ganzen Verfahren hält, war spätestens am Rosenmontag im Düsseldorfer Karnevalszug zu sehen: Dort spießte ein Pappmaché-Putin den Düsseldorfer Hoppeditz mit seiner Papp-Pritsche mit einem übergroßen Schwert auf. Klein beigeben wolle er jetzt jedenfalls nicht, versicherte Tilly.
Der Patriarch beglückt den Präsidenten
Der Richterspruch im Moskauer Verfahren – in Abwesenheit des Angeklagten – stützt sich auf zwei Säulen: Speziell mit einem Motivwagen, der im Düsseldorfer Karnevalszug von 2024 mitrollte, soll Tilly nach russischer Lesart die religiösen Gefühle verletzt und das Ansehen der russischen Armee beschädigt haben. Zu sehen war ein Oberbefehlshaber Putin, der sich sich vom Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. (bürgerlich: Wladimir Michailowitsch Gundjajew) einen blasen lässt. Zudem kritisieren Tilly und Team seit mehreren Jahren in unterschiedlichen Motiven den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Zeugenaussagen verlesen
Im Moskauer Prozess wurden nach Berichten von Korrespondenten unter anderem die Aussagen von drei russischen Frauen verlesen, die sich durch die Darstellung, die in Russland via Internet zu sehen gewesen seien, in ihren Gefühlen verletzt fühlen.
Direkte Konsequenzen hat das Urteil für Tilly nicht. Natürlich wird ihn Deutschland nicht ausliefern, vielmehr protestierte die deutsche Botschaft in Moskau gegen das bizarre Urteil. Aufpassen muss Tilly bei Reisen nach Kasachstan und Kirgisistan – die möglicherweise nach Russland ausliefern. Auch bei Serbien könne sich Tilly nicht sicher sein – sagen Experten.
Comitee Düsseldorfer Carneval spricht von “Schauprozess”
Das Comitee Düsseldorfer Carneval” (CC) hat sich am Donnerstagnachmittag so geäußert:
„Wir lassen uns nicht von einem russischen Gericht einschüchtern oder gar unserer Grundrechte berauben. Die Gedanken sind frei und müssen es bleiben. Eine Verpflichtung aus unserer eigenen Geschichte, in der Menschen und Gedanken unterdrückt wurden. Wir Karnevalisten stehen an der Seite des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly, der sich in seiner Arbeit auf die künstlerische und Meinungsfreiheit berufen kann, die nach Ende des diktatorischen Naziregimes, von dem wir von den Alliierten vor mehr als 80 Jahren befreit wurden, in Artikel 5 unseres Grundgesetzes festgeschrieben wurde. Als Düsseldorfer Karne- valisten verurteilen wir den Einschüchterungsversuch durch einen Schauprozess in Moskau, der alle Prinzipien der Gerechtigkeit, Fairness und Gesetzestreue vermissen lässt.“