Düsseldorf: Dieses Buch ist über den Arsch und nicht für denselben

Humor mag den Zugang erleichtern, hilft aber nur bedingt. Aufklärung tut Not. Also hat Ingo Alldinger ein „Arsch voll Wissen“ geschrieben. Das sind 208 Seiten aus der täglichen Beschäftigung mit der Kehrseite des Körpers und dem beruflichen Blick auf mehr als 100.000 menschliche Hinterteile, gesammelt unter anderem in über zehn Jahren als als niedergelassener Proktologe in Düsseldorf.
Eher verkniffen
Traditionell wird das Thema von den meisten Menschen eher verkniffen angegangen. Scharlatane und windige Pharmaunternehmen vergolden ihr Konto immer noch durch Mittel zum Entschlacken des Darms, so als sei der Mensch ein erkaltender Hochofen. Und falsche Erzählungen und Fehlannahmen verstellen den Blick auf das, was niemand bei sich einfach so betrachten kann (und möchte). Eben deshalb lohnt die Lektüre.
Bitte ohne Handy auf Klo gehen
Aber bloß nicht auf dem Klo. Denn da sitzen bereits viel zu viele Menschen zu lange herum – und handeln sich beim Drücken des eigenen Handys erst einige der Darm- und Verdauungsprobleme ein, die dann anschließend geheilt werden müssen. Das Buch handelt von Männern, die erst dann zum Arzt kommen, wenn ihnen die Ehefrau die geladene und entsicherte Pistole vorhält. Es beantwortet Fragen zur Darmspiegelung, die man sich bisher nicht zu fragen traute mit dem knappen Satz auf Seite 62 – „An einem Hirntumor zu sterben, ist Pech. An Darmkrebs zu sterben, ist einfach Nachlässigkeit.“

Ingo Alldinger praktiziert als Proktologe in Düsseldorf. Foto: Alldinger
Dabei können viele Beschwerden „da unten“ völlig ohne die von Alldinger überhaupt nicht geschätzte Hämorrhoiden-Salben oder gar blutige OPs gelöst werden. Mehr trinken, mehr Ballaststoffe essen und mehr Bewegung sind seine Rezepte bei Problemen mit dem Stuhlgang. Er räumt ordentlich auf mit Fehlurteilen und unzureichendem Wissen zu Hämorrhoiden, kommt zu dem Schluss, dass 80 Prozent der Beschwerden, die Menschen dann irgendwann im Leben doch in seine Praxis treiben, vermeidbar wären (zu langes Hocken mit Handy auf der eigenen Toilette) und ermuntert dazu, sich mehr mit der Darm-Hirn-Achse zu beschäftigen – die Mediziner als Fachbegriff führen, aber nicht wirklich erklären können.
Aufgelockert wird das Ganze mit einer (erfundenen) Szene auf „Wetten dass“ (S. 105 bis 108), in der Kandidat Alldinger fünf Prominente allein an ihrer Rosette erkennt – und so manch lockerem Spruch über das, was für viele immer noch unaussprechlich ist.
Dieses Buch ist über den Arsch und nicht für denselbigen.
Arsch voll Wissen
Ingo Alldinger und David Matusiewicz, erschienen im Forward Verlag, 20 Euro, ISBN 9783987551833