Düsseldorf: Konzept für Suchthilfezentrum an der Eisenstraße wird von Politik befürwortet

Die Stadt plant an der Eisenstraße 49 hinter dem Hauptbahnhof ein niederschwelliges Suchthilfezentrum einzurichten. Dagegen gab es seitens benachbarten Schulen und Kitas sowie Anwohner*innen große Bedenken. In einer ersten Informationsveranstaltung am 3. Februar hatte die zuständige Dezernentin Miriam Koch bereits über die Pläne informiert. Rund 350 Anwohner*innen aus der Umgebung der Eisenstraße in Oberbilk und interessierte Bürger*innen nahmen daran teil. Viele fühlten sich danach unverstanden und ihre Bedenken wurden größtenteils nicht zerstreut.
Am Donnerstag (12.3.) fand eine zweite Veranstaltung statt. Diesmal gab es eine Vorstellung des Konzepts und anschließend die Möglichkeit, an verschiedenen Thementischen konkrete Fragen an die Experten zu stellen. Rund 150 Bürger*innen waren gekommen, aber nicht alle waren an Gesprächen und Informationen interessiert. So war für einen Herrn nur eine Frage Interessant: „Wer ist verantwortlich, wem kann ich verklagen?“. Diese Frage wurde ebenso beantwortet (Adressat der Klage wäre Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller), wie die erneute Frage, warum man den Süchtigen nicht eine Unterkunft in Reisholz errichte (weil sie sich im Bahnhofsumfeld bewegen und nicht nach außerhalb fahren würden).

Miriam Koch stand auch für persönliche Gespräche bereit
Miriam Koch stellte die verschiedenen Module vor, die dem Konzept zugrunde liegen und die dafür sorgen, dass Maßnahmen schrittweise eingeführt, aber auch angepasst oder erweitert werden können. Aktuell wird bei den zuständigen Trägern geprüft, wie schnell das Personal zur Verfügung gestellt werden kann. So läuft der Antrag einen weiteren Drogenkonsumraum einzurichten. Parallel werden die notwendigen Umbauten und Einrichtung des Gebäudes geprüft. Koch geht davon aus, dass im Sommer gestartet werden kann – dabei wird nicht alles gleichzeitig beginnen, sondern schrittweise erfolgen. Trotz der aktuellen Diskussionen über den knappen Haushalt in Düsseldorf, hat das Projekt große Rückendeckung bei der Politik und bereits jetzt die Zusage von mindestens 3,3 Millionen Euro.
Die Besucher*innen hatten am Donnerstagabend Gelegenheit, sich an fünf Thementischen ( SiBu; Quartiersmanagement; Suchthilfe; Soziale Beratung; Streetwork) zu informieren und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Beteiligt waren unter anderem Fachstellen der Stadt Düsseldorf, darunter das Gesundheitsamt, das Amt für Migration und Integration, das Ordnungsamt sowie das Projektteam Sicherheit im Bahnhofsumfeld (SiBu), sowie Träger und Initiativen wie die Drogenhilfe, der SKFM, die Diakonie, Axept und Flingern Mobil. Auch Akteurinnen und Akteure aus der Quartiersarbeit beteiligen sich am Austausch.
Das Resümee an den Tischen war, dass durchaus kritisch gefragt wurde, aber auch sehr konstruktiv. Die Menschen, die die Einrichtung komplett ablehnen, hatten sich offenbar nicht die Mühe gemacht, das Gespräch zu suchen. Die kommissarische Leiterin des Gesundheitsamtes, Andrea Melville-Drewes, der Leiter des Amtes für Migration und Integration, Rana Martin Bhattacharjee und Miriam Koch standen zusätzlich zu den Tischen für Gespräche bereit. Melville-Drewes berichtete von Kontakten zur Grundschule Höhenstraße, die sehr positiv seien, da man erkannt habe, dass sich die Situation im Quartier verbessern soll. Davon scheint der Leiter des Lessing-Gymnasiums noch nicht überzeugt zu sein. Zwar berichtet er auch aktuell von Problemen mit Drogensüchtigen und Dealern im Bereich der Schule, sieht aber offenbar nicht die Intention des Konzept, gerade dieses zu reduzieren.
Für die Schulen und auch Anwohner*innen wird es demnächst das Angebot geben, das Gebäude und Gelände an der Eisenstraße 49 zu besichtigen und dabei vor Ort zu sehen, welche Maßnahmen geplant sind.

Das Gebäude an der Eisenstraße 49 soll zur Anlaufstelle für Drogensüchtige werden. Geplant ist ein Tag der offenen Tür vor der Eröffnung.
Die vorgestellten Module
Nahbereich, Umfeldmanagement
Die Aufgaben, die mit dem Betrieb der Einrichtung einhergehen, enden nicht an der Grundstücksgrenze. Es wird Verantwortung für den Nahbereich bzw. das Umfeld übernommen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Dies soll unter anderem durch regelmäßige Präsenz von Einsatzkräften des Ordnungsamtes und der Polizei erreicht werden. Streetworker*innen werden im Umfeld der Einrichtung (insbesondere zwischen Hbf., Oberbilker Markt, WGZ-Park) Drogenabhängige und Obdachlose ansprechen und an die Angebote weiterleiten. Ziel ist es, den öffentlichen Raum im Nahbereich weitgehend störungsfrei zu halten und eine uneingeschränkte Nutzung (u. a. von Hauseingängen, Parkanlagen und Spielplätzen) durch Bürger*innen zu gewährleisten.
Sicherheitsdienst
Der Sicherheitsdienst überwacht die Einrichtung, auch in Bezug auf Brände und Fluchtwege. Außerdem schlichtet er Auseinandersetzungen und organisiert die Ankunft der Bewohner*innen. Das Team des Sicherheitsdienstes ist rund um die Uhr (24/7) im Einsatz und spricht sich eng mit dem Verwalter und dem Sozialdienst ab.
Verwalter
Die Einrichtung wird einen Verwalter erhalten, der wie ein Hausmeister Kontrollen der Räumlichkeiten durchführt, Schäden repariert oder meldet und Ansprechpartner für den Reinigungsservice ist
Koordination
Der Koordination kommt die zentrale Aufgabe zu, die Abläufe sowie die Nutzung der Büroräumlichkeiten in Abstimmung mit der zuständigen Verwaltung zu organisieren. Zudem gestaltet das Team die Schnittstellen zu den im Haus vorgehaltenen Angeboten sowie zum weiterführenden Hilfesystem.
Sozialarbeit
Die Aufgaben der Mitarbeiter*innen des Sozialdienstes orientieren sich am niedrigschwelligen Angebot, zu dem Unterstützung, Motivation, Bewältigung von
Krisensituationen, die soziale Stabilisierung sowie die Vermittlung in andere mögliche Hilfeformen gehört.
Streetwork
Das Angebot richtet sich an wohnungslose Menschen, die nicht aus eigenem Antrieb Beratungsstellen aufsuchen und ergänzt das Modul Sozialarbeit.
Tages-/Nachtaufenthalt
Das Angebot richtete sich an 365 Tagen im Jahr an drogenabhängige Menschen. Sie richtet sich insbesondere an Menschen aus der offenen Drogenszene sowie an konsumierende Personen mit multiplen sozialen, gesundheitlichen und psychosozialen Problemlagen. Ziel der Tagesstätte ist die Sicherstellung der Grundversorgung und Überlebenshilfe sowie die Stabilisierung der Lebenssituation der Besucher*innen. Sie fungiert als zentrale Schnittstelle zur Vermittlung in weiterführende Hilfen des Suchthilfe-, Gesundheits- und Sozialsystems.
Sozialpsychiatrischer Dienst (SpDi)
Das Angebot konzentriert sich darauf, psychosoziale Betreuung und Hilfe für Personen anzubieten, die mit psychischen Gesundheitsproblemen in Verbindung mit Wohnungslosigkeit konfrontiert sind.
Medizinische Basisversorgung und “Humanitäre Sprechstunde”
Die Anlaufstelle konzentriert sich auf die Bereitstellung medizinischer Basis-Versorgung und möchte den Zugang zu notwendiger medizinischer Hilfe erleichtern. Dazu gehört eine rudimentäre medizinisch-ärztliche Erst-Versorgung, eine Weitervermittlung ins bestehende Hilfesystem und nach Möglichkeit in eine Krankenversicherung.
Pflege und Regenerationsbetten
Das Modul „Pflege- und Regenerationsbetten“ bietet wohnungslosen Menschen mit weniger heftig verlaufenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen einen zeitlich begrenzten, geschützten Versorgungsrahmen zur pflegerischen Stabilisierung und Regeneration, sofern keine akute oder stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich ist.
Hauswirtschaftliche Versorgung
Das Modul stellt die hygienische und ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Wohnungslosenunterkunft sicher.
Tagesstruktur und Beschäftigung
Hier werden besonders arbeitsmarktferne Personen, Menschen im Leistungsbezug nach SGB XII sowie mittellose Personen niedrigschwellig an regelmäßige Betätigung, Tagesstruktur und mittelfristig an verbindlichere Beschäftigungsformen herangeführt.
Frauenspezifisches Angebot
Für Frauen ist die zweite Etage als geschützter, ausschließlich ihnen vorbehaltener Bereich konzipiert. Zielgruppe sind suchtmittelgebrauchende sowie von Gewalt, Ausbeutung und Traumatisierung betroffene Frauen. Zentraler Bestandteil ist eine traumasensible psychosoziale Beratung.
“Drogennotfall”-Schulung
Zu Steigerung der Sicherheit wird das in der Einrichtung tätige Personal im Rahmen von Vor-Ort Veranstaltungen einmal jährlich im Drogennotfallmanagement geschult.
Hausordnung
Zur Sicherstellung eines geordneten, sicheren und respektvollen Miteinanders ist eine übergeordnete Hausordnung erforderlich, die grundlegende Verhaltensregeln – insbesondere den Ausschluss von Gewalt, Bedrohungen und diskriminierendem Verhalten – verbindlich festlegt.
Die Stadt hat die Webseite www.duesseldorf.de/sibu eingerichtet, auf der es viele Informationen zu lesen sind. Fragen wird Miriam Koch und ihr Team auch über die Mailadresse sibu@duesseldorf.de beantworten. Anregungen aus der Bevölkerung seien wichtig, um Probleme zu lösen und Maßnahmen zu ergreifen. Ziel sei es die aktuelle Situation zu verbessern. Dass dies gelingen kann, da sind sich alle einig, die das Konzept mitgestaltet haben.