Düsseldorf: Das Central wird für einen Nachmittag zur Bühne für die Schnäppchenjäger

Verzauberte Augengläser, lebendige Puppen und magisches Feuer haben ausgedient. „Der Sandmann“ in der Düsseldorfer Inszenierung des Regisseurs Robert Wilson ist Geschichte. Deshalb kann die lindgrüne Kunstleder-Pelle aus der Requisite nun raus. Ok, sie ist etwas angeschmutzt. Aber sie hat was. Ein Mantel als ein Mann-Festung, mörderschwer und schon beim bloßen angucken schweißtreibend. Während der eher mühevollen Anprobe und der Probedrehung vor dem Spiegel kommt ein Neider vorbei und lästert: „Mit dem dicken Ding in den Karneval – da brauchst Du hinterher nicht mehr in die Sauna. Fröhliches Schwitzen!“ Das ist der pure Neid. Wenn Kleidung für 15 Euro pro Kilo abgegeben wird, darf es auch mal so ein lindgrüner intergalaktischer Schutzmantel sein. Wer weiß, was noch kommt.

Beim Kostimverkauf des Schauspielhauses Düsseldorf im Central musste erst einmal geduldig angestanden werden.

Die Mehrzahl der angebotenen Stücke wird ein zweites Leben in Düsseldorfer Büros bekommen.
Die hier quietschend die Bügel über die Kleiderständer schieben und nach passender Garderobe suchen, haben bereits Geduld und Hartnäckigkeit bewiesen. Denn vor der Tür des Central windet sich die Schlage der Wartenden vorbei am Burger King bis fast vor den Seiteneingang des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Schnäppchenjagd ist beim Kostümverkauf des Düsseldorfer Schauspielhauses erst einmal eine Geduldsprobe. Denn viele Hundert träumen vom barocken Gehrock aus Samt, dem Rüschenhemd, dem Piraten-Dreispitzhut und der passenden Augenklappe dazu. Drum reißt der Zustrom an Interessenten zwischen 13 und 17 Uhr an diesem Samstag (7.2.) auch nicht ab.

Nur zwei von zwölf Kleiderständern hielten Karnevalskostüme bereit.

Das geht bei 60 Grad in der Maschine nicht raus: Theaterblut im weißen Hemd.
Nach viel Geduld und zwei in Trippelschritten gemeisterten Treppen im Central folgt die Ernüchterung für alle, die von einer ganz besonderen Klamotte geträumt haben. Oder möglicherweise von einem Karnevalskostüm, das nicht aus dem einschlägigen Jecken-Discounter kommt. Weil das Schauspiel von heute keine muffige Kostümschau mehr ist, gibt es jede Menge völlig normale Waren.

Der Fundusverkauf in Düsseldorf rockt.
An der Kasse ist der Herr mit mehreren Ohrringen, einem barbierosa Sweatshirt und dem farblich dazu nicht passenden roten Vollbart glücklich: zwei gHosen, zwei Paar Schuhe, ein Hemd und ein Paar Rollschuhe gibt es für 65 Euro. Dafür kann es niemand selber machen.

Die Sache mit dem einen Euro lockt – aber wo ist der zweite Schuh.
Gut, es gibt zwischendrin spezielle Einzelstücke. Das XS-Top, ärmellos in rosa aus Neopren zum Beispiel. Oder ein ehemals weißes Rüschenhemd, das vorn rechts einen XXL-Theaterblutfleck hat. Aber so etwas ist eher die Ausnahme. Die meisten der hier für kleines Geld erstanden Gebraucht-Textilien werden undercover in Düsseldorfer Büros und Läden ein zweites Leben bekommen. Weil der neue Intendant das bisherige Programm am Schauspielhaus radikal abzuräumen gedenkt und im Vorjahr der Kostümverlauf wegen Umzug des Fundus ausgefallen ist, gibt es besonders viele Sachen zu ergattern. Am Abends war das meiste von den zwölf Kleiderstangen abgeräumt. Und die Fundus-Mitarbeitenden geschafft von einem anstrengen Nachmittag. Wer spezielle Kostüme handgenäht hat – und deshalb dran hing – musste bei dem Verlauf nicht mitmachen – sagt eine Mitarbeiterin, die es wissen muss. Die meisten aber würden sich auf den frisch gewonnen Platz im Fundus freuen. Er wird mit neuen Verkleidungen gefüllt werden.

Zwischendrin gab es auch Einzelstücke für den eigenen Kostümfundus.